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Gemeinsam kochen im Alter

Inhaltsverzeichnis
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Alltag auf vielfältige Weise. Die Kinder sind aus dem Haus, der Partner ist vielleicht verstorben, und die sozialen Kontakte aus dem Berufsleben fehlen. Für viele Senioren wird das Kochen und Essen zu einer einsamen Angelegenheit, die kaum noch Freude bereitet. Dabei kann gerade das gemeinsame Kochen im Alter eine wunderbare Möglichkeit sein, neue Kontakte zu knüpfen, alte Freundschaften zu pflegen und dem Alltag mehr Struktur und Genuss zu verleihen. In der Küche treffen sich Menschen, tauschen Rezepte und Geschichten aus und erleben Gemeinschaft auf ganz natürliche Weise.
Warum gemeinsames Kochen im Alter so wichtig ist
Einsamkeit im Alter als gesellschaftliche Herausforderung
Einsamkeit ist eines der drängendsten Probleme unserer alternden Gesellschaft und betrifft weit mehr Menschen, als viele vermuten. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben, dem Verlust des Partners oder dem Wegzug von Kindern und Enkeln finden sich viele Senioren plötzlich in einer Situation wieder, in der sie tagelang mit niemandem sprechen. Die Wohnung wird still, und alltägliche Verrichtungen wie das Kochen verlieren ihren Reiz, wenn man nur für sich selbst am Herd steht. Die Motivation, aufwendige Gerichte zuzubereiten oder überhaupt eine warme Mahlzeit zu kochen, sinkt rapide, wenn niemand da ist, mit dem man das Essen teilen kann. Das gemeinsame Kochen im Alter kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, denn es schafft regelmäßige Anlässe für Begegnungen, gibt dem Tag Struktur und lässt Menschen Teil einer Gemeinschaft sein, in der sie gebraucht werden und sich einbringen können.
Kochen als sozialer Klebstoff
Die Küche war schon immer ein Ort der Begegnung. In früheren Zeiten versammelte sich die Familie um den Herd, und heute noch ist die Küche in vielen Haushalten der Mittelpunkt des sozialen Lebens. Beim gemeinsamen Kochen entstehen ganz natürlich Gespräche über Rezepte, Zutaten und kulinarische Erinnerungen aus der Vergangenheit. Die ältere Dame erzählt, wie ihre Mutter früher den Sonntagsbraten zubereitete, während der Nachbar von seinen Reisen berichtet und exotische Gewürze ins Spiel bringt. Beim Schnippeln von Gemüse, Rühren in Töpfen und Abschmecken von Soßen werden Barrieren abgebaut, und Menschen, die sich vielleicht an anderen Orten nie begegnet wären, finden zueinander. Diese Form der Geselligkeit ist niederschwellig und inklusiv, denn jeder Mensch hat Erfahrungen mit Essen und Kochen, die er einbringen kann, unabhängig von Bildung, Herkunft oder sozialem Status.
Positive Auswirkungen auf Körper und Geist
Die Vorteile des gemeinsamen Kochens beschränken sich nicht auf den sozialen Aspekt, sondern erstrecken sich auch auf die körperliche und geistige Gesundheit. Wer in Gesellschaft kocht und isst, ernährt sich in der Regel besser als jemand, der alleine vor dem Kühlschrank steht und sich eine Scheibe Brot mit Aufschnitt belegt. Das Kochen selbst ist eine komplexe Tätigkeit, die verschiedene kognitive Fähigkeiten anspricht und trainiert. Rezepte lesen, Mengen abschätzen, mehrere Arbeitsschritte koordinieren und dabei den Überblick behalten, all das fordert das Gehirn auf vielfältige Weise heraus. Die motorischen Anforderungen des Kochens, das Schneiden, Rühren und Hantieren mit verschiedenen Geräten, halten die Hände geschickt und die Beweglichkeit erhalten. Zudem berichten viele Senioren, die regelmäßig in Gemeinschaft kochen, von einem gesteigerten allgemeinen Wohlbefinden und mehr Lebensfreude, was sich wiederum positiv auf die Gesundheit auswirken kann.
Möglichkeiten für gemeinsames Kochen im Alltag
Es gibt zahlreiche Wege, das Kochen in Gesellschaft im Alltag zu integrieren. Je nach persönlichen Vorlieben, körperlicher Fitness und den Angeboten vor Ort können Senioren zwischen verschiedenen Formaten wählen, die von lockeren Nachbarschaftstreffen bis zu organisierten Kochkursen reichen.
Kochkurse speziell für Senioren
Viele Volkshochschulen, Senioreneinrichtungen und private Anbieter haben erkannt, dass ältere Menschen eigene Bedürfnisse und Interessen haben, wenn es ums Kochen geht, und bieten entsprechende Kochkurse für Senioren an. Diese Kurse unterscheiden sich von regulären Kochkursen durch ihr angepasstes Tempo, die Berücksichtigung altersbedingter Einschränkungen und die Auswahl von Rezepten, die auf die Ernährungsbedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind. In einem solchen Kochkurs lernen die Teilnehmer nicht nur neue Gerichte und Kochtechniken kennen, sondern finden auch Gleichgesinnte, mit denen sie ihre Leidenschaft fürs Kochen teilen können. Die Atmosphäre in Seniorenkochkursen ist oft besonders herzlich und entspannt, weil niemand unter Zeitdruck steht und das gesellige Beisammensein mindestens ebenso wichtig ist wie das kulinarische Ergebnis. Viele Kurse finden regelmäßig statt, etwa einmal im Monat, sodass sich über die Zeit feste Gruppen und sogar Freundschaften entwickeln können.
Mittagstische und Seniorentreffs
Der sogenannte Mittagstisch ist ein bewährtes Konzept, das in vielen Städten und Gemeinden angeboten wird und älteren Menschen die Möglichkeit gibt, regelmäßig eine warme Mahlzeit in Gesellschaft einzunehmen. Je nach Einrichtung wird das Essen von einem Koch zubereitet, oder die Senioren kochen gemeinsam unter Anleitung. Der Vorteil eines Mittagstisches liegt in der Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit. Die Teilnehmer wissen, dass sie beispielsweise jeden Dienstag und Donnerstag um zwölf Uhr erwartet werden, was dem Tag Struktur gibt und die Hemmschwelle senkt, das Haus zu verlassen. Das gemeinsame Mittagessen bietet Gelegenheit für Gespräche und soziale Kontakte, ohne dass man sich selbst um Planung, Einkauf und Zubereitung kümmern muss. Für Menschen, die nicht mehr selbst kochen können oder möchten, ist dies eine wertvolle Möglichkeit, dennoch an kulinarischer Gemeinschaft teilzuhaben.
Kochgruppen in der Nachbarschaft
Nicht immer braucht es einen offiziellen Rahmen, um gemeinsam zu kochen. Viele Senioren gründen mit Nachbarn, Freunden oder Bekannten aus dem Verein eigene Kochgruppen, die sich regelmäßig bei einem der Teilnehmer zu Hause treffen. Das Konzept ist denkbar einfach: Jede Woche oder jeden Monat kocht die Gruppe gemeinsam ein vorher abgesprochenes Gericht, wobei die Gastgeberrolle reihum wechselt. Die Einkäufe können gemeinsam erledigt oder aufgeteilt werden, und jeder bringt seine Fähigkeiten und Erfahrungen ein. Solche privaten Kochgruppen haben den Vorteil, dass sie völlig flexibel gestaltet werden können und keine Anmeldung oder Gebühren erfordern. Wer in seiner Nachbarschaft niemanden kennt, der Interesse an einer solchen Gruppe hätte, kann über lokale Seniorenbeiräte, Kirchengemeinden oder Online-Plattformen nach Gleichgesinnten suchen. Oft reicht schon ein Aushang im Supermarkt oder eine Ankündigung im Gemeindebrief, um Interessenten zu finden.
Generationenübergreifende Kochprojekte
Besonders bereichernd kann das gemeinsame Kochen sein, wenn verschiedene Generationen zusammenkommen. In einigen Städten gibt es Projekte, bei denen Senioren gemeinsam mit Kindern oder Jugendlichen kochen, wobei beide Seiten voneinander lernen und profitieren. Die älteren Teilnehmer geben ihr Wissen und ihre Erfahrung weiter, während die jüngeren frische Ideen, Energie und oft auch technisches Know-how einbringen. Für Großeltern, deren eigene Enkel weit entfernt wohnen, bieten solche Projekte eine wunderbare Möglichkeit, Kontakt zur jüngeren Generation zu halten. Gleichzeitig lernen Kinder und Jugendliche den Wert von selbstgekochtem Essen kennen und entwickeln Respekt und Verständnis für ältere Menschen. Diese generationenübergreifenden Begegnungen in der Küche können Vorurteile abbauen und ein Gefühl von Zusammenhalt schaffen, das über das eigentliche Kochen hinausreicht.
Praktische Tipps für das gemeinsame Kochen
Damit das Kochen in der Gruppe für alle Beteiligten zum Vergnügen wird, sollten einige praktische Aspekte berücksichtigt werden. Von der Rezeptauswahl über die Aufgabenverteilung bis zur Gestaltung der Küche gibt es vieles, was zum Gelingen eines kulinarischen Gemeinschaftserlebnisses beiträgt.
Rezepte auswählen, die sich für Gruppen eignen
Nicht jedes Rezept ist gleich gut für das Kochen in der Gruppe geeignet. Ideal sind Gerichte, bei denen mehrere Arbeitsschritte parallel erledigt werden können, sodass alle Teilnehmer beschäftigt sind und sich einbringen können. Ein klassisches Beispiel ist eine Gemüsesuppe, bei der mehrere Personen gleichzeitig verschiedene Gemüsesorten waschen, schälen und schneiden können, während andere sich um die Brühe kümmern. Auch Gerichte wie Pfannkuchen, Pizza oder Aufläufe eignen sich gut, weil es viele vorbereitende Tätigkeiten gibt, die aufgeteilt werden können. Bei der Auswahl der Rezepte sollte zudem auf die Ernährungsbedürfnisse der Teilnehmer geachtet werden, etwa auf Unverträglichkeiten, Allergien oder spezielle Diäten. Eine altersgerechte Ernährung berücksichtigt auch, dass manche Senioren weichere Kost benötigen oder bestimmte Lebensmittel meiden müssen.
Aufgaben sinnvoll verteilen
In einer Kochgruppe haben die Teilnehmer unterschiedliche Fähigkeiten und Einschränkungen. Manche stehen noch stundenlang am Herd, während andere schnell ermüden. Einige haben geschickte Hände fürs Schneiden und Verzieren, während anderen diese Feinmotorik schwerfällt. Eine gute Aufgabenverteilung berücksichtigt diese Unterschiede und gibt jedem eine Tätigkeit, die seinen Fähigkeiten entspricht und ihm Freude macht. Wer nicht mehr gut stehen kann, kann sitzend Gemüse putzen oder Teig kneten. Wer schlecht sieht, kann beim Abschmecken und Würzen helfen, wo der Geschmackssinn gefragt ist. Auch Menschen mit Demenz können oft noch bei einfachen, wiederkehrenden Tätigkeiten wie dem Rühren oder Schälen eingebunden werden, was ihnen das Gefühl gibt, Teil der Gruppe zu sein und etwas beizutragen. Das Wichtigste ist, dass niemand sich überfordert oder nutzlos fühlt.
Die Küche sicher und zugänglich gestalten
Wenn in den eigenen vier Wänden mit einer Gruppe gekocht wird, sollte die Küche so eingerichtet sein, dass alle Teilnehmer sicher und komfortabel arbeiten können. Ausreichend Platz zum Stehen und Bewegen ist wichtig, ebenso wie gute Beleuchtung und rutschfeste Unterlagen vor dem Herd und der Spüle. Häufig benötigte Utensilien und Zutaten sollten in erreichbarer Höhe aufbewahrt werden, sodass niemand auf Leitern oder Hocker steigen muss. Für Teilnehmer, die im Sitzen arbeiten möchten, kann ein Hocker oder ein höhenverstellbarer Stuhl bereitgestellt werden. In Gruppenküchen von Senioreneinrichtungen oder Volkshochschulen sind diese Aspekte meist schon berücksichtigt, aber auch für private Kochrunden lohnt es sich, vorab über Sicherheit und Zugänglichkeit nachzudenken.
Das gemeinsame Essen zelebrieren
Nach dem Kochen kommt das Essen, und auch dieser Teil verdient Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Ein schön gedeckter Tisch, vielleicht mit Kerzen oder Blumen, macht die gemeinsame Mahlzeit zu einem besonderen Erlebnis. Die Zeit zum Essen sollte großzügig bemessen sein, denn es geht nicht nur um die Nahrungsaufnahme, sondern auch um Gespräche, Lachen und Geselligkeit. Viele Kochgruppen haben Rituale entwickelt, etwa einen gemeinsamen Trinkspruch oder das Anstoßen auf den Koch des Tages, die das Essen einrahmen und ihm eine festliche Note verleihen. Auch das gemeinsame Aufräumen und Spülen gehört zum Erlebnis dazu und bietet nochmals Gelegenheit für entspannte Unterhaltung. Manche Gruppen lassen den Abend nach dem Essen noch mit einem Spiel, einem Lied oder einer Vorleserunde ausklingen.
Besondere Situationen beim gemeinsamen Kochen
Kochen mit körperlichen Einschränkungen
Viele ältere Menschen haben mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen, die das Kochen erschweren können. Arthritis in den Händen macht das Schneiden mühsam, Sehprobleme erschweren das Lesen von Rezepten, und Gleichgewichtsprobleme machen das lange Stehen am Herd zur Herausforderung. In einer Gruppe können diese Einschränkungen oft ausgeglichen werden, indem Aufgaben entsprechend verteilt werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die das Kochen erleichtern, von ergonomischen Messern und Schälern über Schneidbretter mit Halterungen bis zu sprechenden Küchenwaagen und Timern. Wer in einer Kochgruppe merkt, dass bestimmte Tätigkeiten schwerfallen, sollte dies offen ansprechen, denn gemeinsam lässt sich fast immer eine Lösung finden. Das Ziel ist schließlich nicht, dass jeder alles macht, sondern dass alle gemeinsam ein gutes Ergebnis erzielen und dabei Freude haben.
Menschen mit Demenz einbeziehen
Auch Menschen mit Demenz können in vielen Fällen noch am gemeinsamen Kochen teilnehmen und davon profitieren. Das Kochen spricht verschiedene Sinne an, löst Erinnerungen aus und kann einen beruhigenden, strukturierenden Effekt haben. Wichtig ist, dass die Aufgaben dem aktuellen Fähigkeitsniveau angepasst werden und keine Überforderung entsteht. Einfache, vertraute Tätigkeiten wie das Rühren eines Teiges, das Ausstechen von Plätzchen oder das Waschen von Obst können auch bei fortgeschrittener Demenz noch gelingen und Erfolgserlebnisse vermitteln. Die Anwesenheit vertrauter Personen und eine ruhige, geduldige Atmosphäre sind dabei entscheidend. Speziell geschulte Fachkräfte in Senioreneinrichtungen oder Pflegeheimen können das Kochen mit Menschen mit Demenz professionell begleiten und für ein sicheres, positives Erlebnis sorgen.
Wenn das Hören schwerfällt
Eine Kochgruppe lebt von Gesprächen und Austausch. Für Menschen mit Hörproblemen kann es jedoch schwierig sein, in einer lebhaften Küche mit Topfklappern, zischendem Öl und mehreren durcheinanderredenden Stimmen alles zu verstehen. Hier helfen einige einfache Maßnahmen: Die Lautstärke von Hintergrundgeräten wie Radio oder Dunstabzugshaube sollte reduziert werden, Gespräche sollten möglichst von Angesicht zu Angesicht geführt werden, und wichtige Informationen können auch schriftlich, etwa auf einer kleinen Tafel, festgehalten werden. Wer ein Hörgerät trägt, sollte dafür sorgen, dass es richtig eingestellt ist und gegebenenfalls Zubehör wie einen Richtmikrofon-Aufsatz nutzen. Ein gutes Hörerlebnis trägt wesentlich dazu bei, dass sich alle Teilnehmer eingebunden fühlen und die Gemeinschaft in vollen Zügen genießen können. Für das Gelingen sozialer Aktivitäten ist es wichtig, dass die Kommunikation mit schwerhörigen Menschen bewusst gestaltet wird.
Rezeptideen für das Kochen in der Gruppe
Herzhafte Suppen und Eintöpfe
Suppen und Eintöpfe sind ideale Gruppengerichte, denn sie verzeihen es, wenn mal etwas mehr oder weniger Zutat in den Topf wandert, und sie schmecken oft am nächsten Tag sogar noch besser. Das Vorbereiten der Zutaten, das Waschen, Schälen und Würfeln von Gemüse, Kartoffeln und Fleisch, lässt sich wunderbar auf mehrere Personen aufteilen. Klassiker wie Kartoffelsuppe, Gemüseeintopf oder Hühnersuppe wecken bei vielen älteren Menschen Erinnerungen an die Kindheit und die Küche der Mutter oder Großmutter. Während der Eintopf auf dem Herd vor sich hin köchelt, bleibt Zeit für Gespräche und Gemütlichkeit. Und am Ende füllt eine dampfende Schüssel den Magen und wärmt die Seele.
Selbstgemachte Pizza oder Flammkuchen
Pizza und Flammkuchen sind bei Jung und Alt beliebt und eignen sich hervorragend für Kochgruppen, weil jeder seinen eigenen Fladen nach Geschmack belegen kann. Der Teig kann gemeinsam zubereitet werden, wobei das Kneten eine angenehm meditative Tätigkeit ist, die auch bei eingeschränkter Feinmotorik gelingt. Während der Teig ruht, werden die Beläge vorbereitet: Gemüse wird geschnitten, Käse gerieben, Soße angerührt. Beim Belegen kann jeder kreativ werden und seine Lieblingszutaten kombinieren. Das Ergebnis ist so individuell wie die Gruppe selbst, und beim gemeinsamen Essen lässt sich trefflich darüber diskutieren, wessen Pizza am besten gelungen ist.
Süße Klassiker zum Nachtisch
Auch beim Backen und Zubereiten von Desserts können Senioren gemeinsam aktiv werden. Pfannkuchen, Waffeln, Obstkuchen oder Apfelstrudel sind Gerichte, bei denen mehrere Hände gefragt sind und die Arbeit Spaß macht. Das Rühren von Teig, das Schneiden und Schichten von Äpfeln oder das Verzieren von Kuchen mit Puderzucker sind Tätigkeiten, die Freude bereiten und Erfolgserlebnisse bescheren. Süße Gerichte haben zudem oft einen besonderen emotionalen Wert, denn sie sind mit Festen, Feiern und glücklichen Momenten verbunden. Ein selbstgebackener Kuchen zum Kaffee rundet einen gemeinsamen Kochnachmittag auf wunderbare Weise ab.
Internationale Küche entdecken
Das gemeinsame Kochen bietet auch die Möglichkeit, kulinarisches Neuland zu betreten und Gerichte aus anderen Ländern kennenzulernen. In einer bunt gemischten Gruppe bringt vielleicht jemand ein Rezept aus seiner alten Heimat mit, oder die Gruppe beschließt gemeinsam, einmal griechisch, asiatisch oder mexikanisch zu kochen. Solche kulinarischen Reisen erweitern den Horizont, regen Gespräche an und können durchaus auch bei älteren Menschen die Lust am Experimentieren wecken. Natürlich sollten die Rezepte nicht zu kompliziert sein und die Zutaten in erreichbarer Nähe zu beschaffen, aber mit etwas Anpassung lassen sich viele internationale Gerichte auch in einer Seniorenkochgruppe umsetzen.
Angebote und Anlaufstellen finden
Volkshochschulen und Bildungseinrichtungen
Volkshochschulen bieten in vielen Städten Kochkurse an, die sich speziell an Senioren richten oder altersgemischt durchgeführt werden. Das Programm ist meist breit gefächert und reicht von Grundkursen für Kochanfänger über thematische Kurse zu bestimmten Küchen oder Ernährungsformen bis hin zu Backkursen. Die Gebühren sind in der Regel moderat, und die Kurse finden in gut ausgestatteten Lehrküchen statt. Ein Blick ins aktuelle Programmheft der örtlichen VHS oder auf deren Website lohnt sich, um passende Angebote zu finden.
Seniorenzentren und Begegnungsstätten
Städtische oder kirchliche Seniorenzentren und Begegnungsstätten sind oft Dreh- und Angelpunkt für Aktivitäten älterer Menschen in einem Stadtteil. Viele dieser Einrichtungen bieten regelmäßige Kochgruppen, Mittagstische oder kulinarische Veranstaltungen an. Der Vorteil ist, dass diese Angebote meist niederschwellig und kostengünstig sind und sich an ein älteres Publikum richten. Zudem sind die Einrichtungen oft gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden oder bieten sogar Fahrdienste an. Wer sich an sein örtliches Seniorenzentrum wendet, erhält in der Regel freundliche Auskunft über alle bestehenden Angebote.
Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbände
Auch Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt engagieren sich im Bereich der Seniorenarbeit und bieten oft kulinarische Angebote an. Gemeinsame Mittagessen, Suppenküchen oder Backnachmittage sind in vielen Gemeinden feste Bestandteile des Programms. Diese Angebote stehen meist allen offen, unabhängig von Konfession oder Mitgliedschaft, und werden von Ehrenamtlichen mit viel Herzblut organisiert. Ein Anruf beim Gemeindebüro oder ein Besuch auf der Website kann Aufschluss über aktuelle Termine und Angebote geben.
Online-Plattformen und soziale Netzwerke
Im digitalen Zeitalter finden sich auch online Möglichkeiten, Gleichgesinnte für gemeinsames Kochen zu finden. Auf Plattformen wie nebenan.de, Seniorenportalen oder in lokalen Facebook-Gruppen tauschen sich Menschen aus der Nachbarschaft aus und verabreden sich zu gemeinsamen Aktivitäten. Wer internetaffin ist, kann dort nach bestehenden Kochgruppen suchen oder selbst einen Aufruf starten, um Mitstreiter für eine neue Gruppe zu finden. Auch wenn der Weg über das Internet zunächst ungewöhnlich erscheinen mag, haben auf diese Weise schon viele Senioren neue Bekanntschaften geschlossen und bereichernde Gemeinschaftserlebnisse gefunden.
Den ersten Schritt wagen
Kleine Schritte und realistische Erwartungen
Niemand muss sofort eine große Kochgruppe gründen oder sich für einen mehrwöchigen Kurs anmelden. Manchmal reicht es, eine Nachbarin zum gemeinsamen Kuchenbacken einzuladen oder einmal bei einem Mittagstisch vorbeizuschauen, um zu sehen, ob das Angebot gefällt. Der erste Schritt kann auch sein, sich telefonisch über bestehende Angebote zu informieren, ohne sich gleich zu verpflichten. Mit der Zeit wächst die Vertrautheit, und aus einem zaghaften Versuch kann eine regelmäßige Gewohnheit werden, die den Alltag bereichert.
Offen sein für neue Bekanntschaften
In einer Kochgruppe treffen Menschen aufeinander, die sich vorher nicht kannten und vielleicht sehr unterschiedlich sind. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung, auch wenn es anfangs ungewohnt sein mag. Offenheit und Neugier auf andere Menschen und ihre Geschichten sind gute Voraussetzungen für ein gelungenes Miteinander in der Küche. Nicht jede Begegnung wird zur Freundschaft, aber fast immer erweitert sie den Horizont und bringt neue Impulse ins Leben.
Das eigene Wissen teilen
Wer viele Jahre gekocht hat, verfügt über einen reichen Schatz an Erfahrungen, Rezepten und Tricks, der für andere wertvoll sein kann. In einer Kochgruppe ist dieses Wissen gefragt und willkommen. Das Gefühl, etwas beitragen zu können und gebraucht zu werden, ist ein wichtiger Teil des Gemeinschaftserlebnisses. Gleichzeitig kann man von anderen lernen und vielleicht noch im hohen Alter neue Gerichte oder Techniken entdecken, die das eigene Repertoire erweitern.
Gemeinsam kochen im Alter ist weit mehr als eine praktische Lösung für die tägliche Mahlzeit. Es ist eine Quelle von Freude, Geselligkeit und Sinn, die das Leben bereichern kann. Ob im organisierten Kochkurs, beim nachbarschaftlichen Mittagstisch oder in der privaten Kochrunde mit Freunden, die kulinarische Gemeinschaft bietet älteren Menschen die Möglichkeit, aktiv zu bleiben, Kontakte zu pflegen und das Essen wieder als Genuss zu erleben. Der erste Schritt in die Küche der Gemeinschaft lohnt sich.
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