Wann zum Hörakustiker

7. Januar 2026
10 Minuten Lesezeit
Hörakustikerin

Das Hörvermögen verändert sich oft schleichend, sodass viele Menschen ihre nachlassende Hörfähigkeit zunächst gar nicht bemerken. Häufig sind es Freunde, Partner oder Familienmitglieder, die als erste auf Veränderungen aufmerksam werden. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Hörakustiker aufzusuchen? Wir erklären die wichtigsten Warnsignale, den Ablauf eines professionellen Hörtests und zeigen auf, warum frühzeitiges Handeln einen großen Unterschied machen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Schwierigkeiten, Gesprächen in lauter Umgebung zu folgen, empfiehlt sich ein Termin beim Hörakustiker
  • Häufiges Nachfragen und das Gefühl, dass andere Menschen nuscheln, können auf Hörprobleme hinweisen
  • Wenn Fernseher oder Radio regelmäßig lauter gestellt werden müssen, sollte das Gehör überprüft werden
  • Ab dem 50. Lebensjahr sind regelmäßige Hörtests zur Vorsorge empfehlenswert
  • Der erste Besuch beim Hörakustiker ist unkompliziert und umfasst eine Anamnese sowie verschiedene Hörtests
  • Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist eine ohrenärztliche Verordnung erforderlich

Erste Anzeichen für einen notwendigen Hörtest

Ein Hörverlust entwickelt sich in den meisten Fällen nicht von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend über Monate oder Jahre. Diese langsame Veränderung führt dazu, dass Betroffene ihre Einschränkung oft lange Zeit nicht wahrnehmen oder verdrängen. Bestimmte Situationen und Verhaltensweisen können jedoch als Warnsignale dienen und deuten darauf hin, dass ein Besuch beim Hörakustiker sinnvoll wäre.

Verständnisprobleme bei Gesprächen

Eines der häufigsten frühen Anzeichen für einen beginnenden Hörverlust ist die Schwierigkeit, Gesprächen in lauter Umgebung zu folgen. Restaurants, Familienfeiern oder öffentliche Orte mit vielen Hintergrundgeräuschen werden zur Herausforderung. Stimmen können nicht mehr klar von den Umgebungsgeräuschen getrennt werden, und es fällt schwer, einzelnen Gesprächspartnern zu folgen. Dieses Phänomen wird manchmal als Cocktailparty-Effekt bezeichnet. Wenn solche Situationen regelmäßig Stress verursachen oder gemieden werden, ist eine Überprüfung des Gehörs ratsam.

Häufiges Nachfragen und der Eindruck von Genuschel

Wer immer öfter darum bittet, etwas zu wiederholen, oder den Eindruck hat, dass Gesprächspartner undeutlich sprechen, sollte aufmerksam werden. Oft sind es bestimmte hohe Frequenzen oder Konsonanten wie s, f, p oder t, die nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Sprache erscheint dann als undeutliches Gemurmel, obwohl die sprechende Person klar artikuliert. Auch das Gefühl, Wörter zu erraten statt sie zu verstehen, kann ein Hinweis auf nachlassendes Hörvermögen sein.

Erhöhte Lautstärke bei Fernseher und Radio

Ein typisches Warnsignal ist das ständige Bedürfnis, die Lautstärke von Fernseher oder Radio zu erhöhen. Oft fällt dies den Betroffenen selbst nicht auf, während Familienmitglieder oder Mitbewohner die erhöhte Lautstärke als störend empfinden. Wer regelmäßig Rückmeldungen erhält, dass der Fernseher zu laut eingestellt ist, sollte dies als Anlass nehmen, das eigene Hörvermögen überprüfen zu lassen. Tipps zur Verbesserung der Zimmerlautstärke beim Fernsehen können zusätzlich hilfreich sein.

Soziale und emotionale Warnsignale

Neben den rein akustischen Anzeichen gibt es auch Veränderungen im Verhalten und im sozialen Leben, die auf Hörprobleme hindeuten können. Diese Warnsignale werden häufig unterschätzt, obwohl sie wichtige Indikatoren darstellen.

Sozialer Rückzug und vermiedene Situationen

Ein wichtiges Indiz für den notwendigen Gang zum Hörakustiker ist die Veränderung des Sozialverhaltens. Wenn Einladungen abgelehnt werden oder bestimmte Situationen gemieden werden, weil Gespräche zu anstrengend geworden sind, sollte dies ernst genommen werden. Gruppengespräche in Restaurants oder auf Feiern werden zur Belastung, und viele Betroffene ziehen sich zunehmend zurück. Dieser soziale Rückzug kann ein Alarmzeichen sein, das frühzeitiges Handeln erfordert, um psychische Folgen wie Vereinsamung zu vermeiden.

Ermüdung und Erschöpfung nach Gesprächen

Ein oft übersehenes Warnsignal ist die Erschöpfung nach normalen Gesprächen oder längeren Zuhörsituationen. Wenn das Hören eingeschränkt ist, muss das Gehirn fehlende Informationen kompensieren. Diese ständige Anstrengung kostet Energie und kann zu körperlicher sowie emotionaler Ermüdung führen. Wer bemerkt, dass normale Unterhaltungen unverhältnismäßig anstrengend sind, sollte einen Termin beim Hörakustiker in Betracht ziehen.

Besondere Situationen für einen Hörakustikerbesuch

Es gibt bestimmte Situationen und Lebensumstände, in denen ein Besuch beim Hörakustiker besonders empfehlenswert ist. Dazu gehören altersbedingte Veränderungen ebenso wie plötzlich auftretende Symptome.

Regelmäßige Vorsorge ab 50 Jahren

Da das Risiko für Alterschwerhörigkeit mit dem Alter steigt, sind regelmäßige Hörtests besonders für Menschen ab 50 Jahren empfehlenswert. Die Haarzellen im Innenohr nutzen sich im Laufe des Lebens ab und können nicht ersetzt werden. Ein routinemäßiger Check-up hilft, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Statistisch gesehen erfolgt die Erstversorgung mit einem Hörgerät oft erst mit Ende 60, obwohl eine frühere Versorgung medizinisch sinnvoller wäre.

Tinnitus und Ohrgeräusche

Nicht nur Probleme beim Verstehen, sondern auch ständiges Ohrensausen oder Pfeifen, bekannt als Tinnitus, kann ein Hinweis auf einen beginnenden Hörverlust sein und sollte abgeklärt werden. Paradoxerweise kann auch eine Überempfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen auf eine Höreinschränkung hindeuten, da der Dynamikbereich des Gehörs eingeschränkt sein kann. In solchen Fällen kann der Hörakustiker beraten, ob Hörsysteme möglicherweise auch den Tinnitus lindern können.

Einseitiger Hörverlust und Orientierungsprobleme

Das Hören mit beiden Ohren ist wichtig für das räumliche Hören und die Orientierung. Wenn Schwierigkeiten auftreten, Schallquellen zu orten, oder das Gefühl besteht, auf einem Ohr schlechter zu hören, ist eine zeitnahe Abklärung sinnvoll. Nur durch die Versorgung beider Ohren bleibt das räumliche Verstehen und die Fähigkeit des Gehirns erhalten, wichtige von unwichtigen Geräuschen zu unterscheiden.

Mögliche Folgen eines unbehandelten Hörverlusts

Ein Hörverlust betrifft nicht nur das Ohr, sondern kann weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche haben. Das Wissen um diese möglichen Folgen kann die Motivation stärken, frühzeitig einen Hörakustiker aufzusuchen.

Zusammenhang mit kognitiven Veränderungen

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen auf einen möglichen Zusammenhang zwischen unbehandeltem Hörverlust und kognitiven Beeinträchtigungen hin. Das Gehirn muss bei eingeschränktem Hörvermögen mehr Ressourcen aufwenden, um Gehörtes zu verarbeiten. Diese ständige Mehrbelastung kann langfristig kognitive Kapazitäten binden. Zudem kann die mit Hörverlust verbundene soziale Isolation einen weiteren Risikofaktor darstellen. Mehr Informationen bietet der Ratgeber zum Thema Hörverlust und Demenz.

Auditive Deprivation vermeiden

Ein selten beachteter, aber wichtiger Aspekt ist die sogenannte Hörentwöhnung. Wenn über längere Zeit keine ausreichenden akustischen Reize beim Gehirn ankommen, kann das Gehirn das Verstehen von Sprache regelrecht verlernen. Je länger der Gang zum Hörakustiker hinausgezögert wird, desto schwieriger kann es später werden, das Gehirn wieder an die Verarbeitung von Sprache zu gewöhnen. Frühzeitiges Handeln verhindert diesen Abbauprozess und verbessert die Erfolgschancen einer späteren Versorgung.

Der erste Termin beim Hörakustiker

Viele Menschen zögern den Besuch beim Hörakustiker hinaus, weil sie unsicher sind, was sie dort erwartet. Der Ablauf ist jedoch unkompliziert und schmerzfrei. Ein Überblick über die einzelnen Schritte kann Berührungsängste abbauen.

Anamnese und Gehörgangsinspektion

Der erste Termin beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der die Lebenssituation und individuelle Hörbedürfnisse besprochen werden. Der Hörakustiker fragt nach den Situationen, in denen Hörprobleme auftreten, nach dem beruflichen Umfeld und persönlichen Gewohnheiten. Anschließend erfolgt eine Inspektion des Gehörgangs mit einem Otoskop, um physische Hindernisse wie Ohrenschmalz oder andere Auffälligkeiten auszuschließen. Diese Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

Ton- und Sprachaudiometrie

Der eigentliche Hörtest umfasst verschiedene Messverfahren. Bei der Tonaudiometrie werden über Kopfhörer Töne in unterschiedlichen Frequenzen und Lautstärken abgespielt. Die getestete Person gibt an, ab wann ein Ton wahrgenommen wird. Bei der Sprachaudiometrie werden Wörter oder Zahlen vorgespielt, die wiederholt werden müssen. So lässt sich ermitteln, wie gut Sprache in ruhiger Umgebung und bei Störgeräuschen verstanden wird. Die gesamte Prozedur dauert etwa 30 bis 45 Minuten und bildet die Grundlage für die individuelle Beratung.

Beratung und nächste Schritte

Nach dem Hörtest bespricht der Hörakustiker die Ergebnisse und erklärt, ob und in welchem Ausmaß ein Hörverlust vorliegt. Bei Bedarf werden verschiedene Versorgungsmöglichkeiten vorgestellt, von Hörgeräten bis zu anderen Hörhilfen. Viele Hörakustiker bieten an, Hörgeräte zunächst unverbindlich im Alltag zu testen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist anschließend eine ohrenärztliche Verordnung vom HNO-Arzt erforderlich.

Hörakustiker oder HNO-Arzt als erster Anlaufpunkt

Oft herrscht Unsicherheit, ob bei Verdacht auf Hörprobleme zuerst der Hörakustiker oder der HNO-Arzt aufgesucht werden sollte. Beide Wege sind möglich und haben ihre Berechtigung.

Der niedrigschwellige Einstieg beim Hörakustiker

Ein unverbindlicher Hörtest beim Hörakustiker ist oft der einfachste erste Schritt. Viele Hörakustiker bieten kostenlose Hörtests an, die ohne Überweisung wahrgenommen werden können. Der Hörakustiker kann eine erste Einschätzung geben und bei Bedarf den Gang zum HNO-Arzt empfehlen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen behandlungsbedürftigen Hörverlust, ist für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse eine ohrenärztliche Verordnung zwingend erforderlich.

Der medizinische Weg über den HNO-Arzt

Bei plötzlichem Hörverlust, Ohrenschmerzen oder anderen Beschwerden sollte zunächst ein HNO-Arzt aufgesucht werden, um medizinische Ursachen abzuklären. Der HNO-Arzt führt eine umfassende Untersuchung durch und kann feststellen, ob der Hörverlust behandelbar ist oder ob eine Versorgung mit Hörgeräten sinnvoll wäre. Die ärztliche Diagnose bildet die Grundlage für die Verordnung von Hörgeräten und die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Was nach dem ersten Hörtest folgt

Der Besuch beim Hörakustiker ist nicht als einmaliges Ereignis zu verstehen, sondern kann der Beginn eines längeren Prozesses sein. Insbesondere bei der Anpassung von Hörgeräten sind mehrere Termine üblich.

Feinanpassung und Eingewöhnungsphase

Wird ein Hörgerät angepasst, folgen auf den ersten Termin weitere Sitzungen zur Feinanpassung. Nach einer Erprobungsphase im Alltag werden die Einstellungen justiert, beispielsweise wenn die eigene Stimme ungewohnt klingt oder bestimmte Geräusche störend wirken. Diese Phase ist wichtig, um die Akzeptanz der Geräte zu sichern und den Hörerfolg zu maximieren. Das Gehirn muss sich an die neuen akustischen Informationen gewöhnen, was einige Wochen dauern kann.

Regelmäßige Kontrollen und Wartung

Auch nach der Erstversorgung ist der regelmäßige Besuch beim Hörakustiker sinnvoll. Die professionelle Reinigung und Wartung der Geräte sichert deren Lebensdauer von typischerweise fünf bis sieben Jahren. Zudem sollte das Gehör in regelmäßigen Abständen erneut getestet werden, um Veränderungen festzustellen und die Hörgeräte entsprechend nachzujustieren. Ein guter Hörakustiker bietet diese Serviceleistungen und jährliche Kontrolltermine als Teil der Versorgung an.